2021-06-02
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Tipps und Tricks, um ein selbstgeführtes Team zu werden

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es ist, in einem selbstgeführten Team zu arbeiten? Klingt das wie ein Traum? Oder sind Sie eher skeptisch? Bei Garantell versuchen wir, so zu arbeiten. Bei aller Transparenz, es ist ein holpriger Weg. Und das mag kitschig klingen, aber wir wachsen jeden Tag. Ich würde gerne ein paar daraus gewonnene Lehren mit Ihnen teilen. Ich denke, dass das Setzen gemeinsamer Ziele, das Zusammenwachsen und ein gutes Arbeitsklima uns auf dem Weg dorthin helfen.

Verhalten ändern

Meine Kollegen und ich arbeiten im Team Südeuropa. Wir haben uns den Namen Meshing Around gegeben, der irgendwie den Zustand repräsentiert, in dem wir uns befinden: Trial and Error. Als ich das erste Mal von der Idee hörte, dass wir als selbstgeführtes Team arbeiten sollten, wusste ich ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten sollte. Ich hatte das Konzept auch noch nicht ganz verstanden. Worum handelt es sich? Selbstführung bedeutet, dass wir unsere Gesamtziele bekommen, aber selbst entscheiden, wie wir uns organisieren und diese Ziele erreichen. In meinem Team sprechen wir alle verschiedene Sprachen zur Verständigung mit unseren Kunden, daher konnte ich mir nur schwer vorstellen, dass das jemals funktionieren könnte. Außerdem pflegt jeder von uns seinen eigenen Arbeitsstil. Am Anfang haben wir die Sache mit der Selbstführung irgendwie ignoriert und haben so weitergearbeitet wie gewohnt. Und natürlich haben wir dabei unser Ziel nicht erreicht. Das erste, was mir dazu einfiel, war, wenn die Zusammenarbeit nicht zu einer Verhaltensänderung führt, ist die Gruppe kein selbstführendes Team.

Ein gemeinsames Ziel verfolgen

Wenn man sich selbst führt, kommt es darauf an, eine klare Vision und ein gemeinsames Ziel zu haben. Nicht nur, um uns einen klaren Fokus und eine Richtung zu geben, sondern auch, um uns zu helfen, auf Kurs zu bleiben und gemeinsam zu planen. Das ist schwer, weil im Vertrieb will immer jeder der Beste sein. Wie bekommt man dieses Konkurrenzdenken aus dem Team heraus? Indem man sich dessen bewusst wird, dass es nicht darum geht, in dem Land, für das man verantwortlich ist, genug zu verkaufen, sondern darum, das Gruppenziel zu erreichen. Wenn jemand aus der Gruppe einen Rekordumsatz machte, fiel es uns schwer, den Kollegen nicht zu beneiden und zu denken, das hätte ich sein sollen. Deshalb mussten wir von einer individuellen zu einer kollektiven Perspektive wechseln. Der einzige Weg dazu ist die Erkenntnis, dass es im Team wichtig ist, alle Kompetenzen zu bedenken, sowohl die individuellen, als auch die gruppen- und verhaltensbezogenen. Der Schlüssel ist keine feste Einstellung zu Kompetenzen, sondern eine wachstumsorientierte Einstellung.

Gemeinsam wachsen

Die Transformation in ein selbstgeführtes Team ist eine großartige Gelegenheit, die Stärken der anderen kennenzulernen und zu erkennen, was verbessert werden muss. Ein wachsendes Team ist ein Team, das den Mitgliedern durch Austausch von Wissen und Informationen hilft. Es gibt viele Möglichkeiten, dies innerhalb des Teams zu teilen oder sich gegenseitig zu coachen. Eine unserer Lieblingsmethoden ist die Power-Session - 20 Minuten Training am Tag zu einem unterschiedlichen Thema. Dabei kann es sich technische Themen handeln oder solche, die eher kaufmännischer Natur sind. Wir tauschen auch gerne inspirierende Videos aus und diskutieren dann gemeinsam darüber. Außerdem haben wir das Projekt Babushka, bei dem wir gemeinsam den russischen Markt bearbeiten und mithilfe eines echten Gemeinschaftsprojekts voneinander zu lernen versuchen.

Aufrechterhaltung einer angenehmen Arbeitsumgebung

Die Arbeit in einem multikulturellen Umfeld hat uns vor Augen geführt, dass wir uns über unsere geschätzten und nicht geschätzten Verhaltensweisen im Klaren sein und uns gegenseitig Feedback geben müssen. Jetzt in Zeiten von Corona sind wir räumlich getrennt. Aber wir haben jeden Tag ein Team-Meeting, bei dem wir laufende Projekte besprechen. An manchen Tagen ist das einfach nur ein Weg, um ein bisschen zu reden und sich zu vergewissern, dass es allen gut geht. Indem wir uns besser kennenlernen, erlauben wir uns, verletzlicher zu sein, d. h. offen zu sein, Fehler zuzugeben, Fragen zu stellen und Ideen anzubieten. Da sich ein Team aus vielen verschiedenen Persönlichkeiten zusammensetzt, ist es notwendig, dass die Meinung aller gehört und berücksichtigt wird.

Grenzen und der Boss

Am Anfang dachte ich, was wird unsere Managerin jetzt tun? Selbstführung bedeutet jedoch nicht, dass wir tun können, was wir wollen. Freiheit ist immer auch mit Verantwortung verbunden. Jedes Team hat seine Schwierigkeiten, besonders am Anfang, deshalb ist es nicht so verkehrt, den Chef dabei um Hilfe zu bitten. Außerdem schafft die Einbindung des Vorgesetzten mehr Transparenz und Vertrauen unter uns. Auf diesem Weg ist unsere Managerin mehr zum Coach geworden und um ehrlich zu sein, spreche ich mehr mit meinen Teammitgliedern als mit meinem Coach. Das war vorher andersherum.

Außerdem haben wir schnell erkannt, dass wir als selbstführendes Team Entscheidungen fällen, die andere betreffen. Ohne Rücksprache mit den Betroffenen weiterzumachen ist aber nicht OK. Wir haben nicht nur das Recht etwas zu entscheiden, sondern auch die Pflicht, Experten und Betroffene dabei um Rat zu fragen. Dabei unterstützt uns unser Coach sehr. Davon abgesehen gilt, je weniger Kontrolle über ein Team ausgeübt wird, desto besser. Unsere Chefin ist sich dessen bewusst, dass, wenn sie unser Team bei der Lösung einer Herausforderung einschränkt, die Selbstorganisation einfach nicht stattfindet. Das Team zieht sich zurück und da ihm bereits gesagt wurde, wie das Problem zu lösen ist, wird es warten, bis es den Rest der Geschichte hört. Das wichtigste Ziel unserer Managerin ist es, uns herauszufordern und uns mit (manchmal unangenehmen) Fragen zu reizen, um zum Ziel zu kommen. Und das ist ein Trial-and-Error-Prozess.

Los geht's

Die Arbeit in einem selbstgeführten Team hat mich viel über die Menschen in meinem Team und auch über mich selbst nachdenken lassen. Ich denke, die oben genannten Tipps werden Ihnen und Ihrem Team helfen, den Prozess zu einem selbstgeführten Team anzustoßen, aber denken Sie stets daran, geduldig zu bleiben, denn ein solches Vorhaben erfordert viel Zeit und Arbeit!

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